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Wo nisten Tauben

Wo nisten Tauben?

Wo nisten Tauben – diese Frage stellt sich vor allem dann, wenn man an Balkonen, Dachvorsprüngen oder Fassadennischen plötzlich Taubenkot, Nistmaterial oder Geräusche bemerkt. Tauben sind ausgesprochen anpassungsfähig bei der Wahl ihrer Brutplätze. Wer ihre bevorzugten Standorte kennt, kann frühzeitig reagieren – entweder um Schäden zu vermeiden oder um das Brutverhalten besser einzuordnen.

In Deutschland kommen fünf relevante Taubenarten vor, die sich in Lebensraum, Aussehen und Nistverhalten deutlich unterscheiden. Stadttauben, die das Stadtbild dominieren, sind dabei ein Sonderfall: Bei den meisten handelt es sich um ausgesetzte Brieftauben, Zuchttauben oder Hochzeitstauben und deren Nachkommen – keine echten Wildtauben, sondern verwilderte Haustiere.

Wo nisten Tauben – bevorzugte Nistplätze im Überblick

Tauben suchen Orte, die Schutz vor Witterung und Fressfeinden bieten, eine gute Übersicht ermöglichen und nah an Nahrungsquellen liegen. Erhöhte, ruhige Nischen sind dabei besonders beliebt.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=xKDzdjqSO64
Nistplatztyp Beschreibung Häufigkeit
Dachvorsprünge Geschützte Bereiche unter Dachüberständen Sehr häufig
Balkone und Terrassen Ungenutzte Ecken, halbgefüllte Blumentöpfe Häufig
Fassadennischen Einbuchtungen und Rücksprünge in Gebäudeverkleidungen Regelmäßig
Regenrinnen Versteckte Bereiche mit Nestsupport durch Rinnenränder Gelegentlich
Lüftungs- und Klimaanlagen Wärme und Deckung durch Geräte Zunehmend
Dachböden und Speicher Über offene Öffnungen zugänglich, ruhig und dunkel Häufig bei älteren Gebäuden
💡 Tipp: Halbgefüllte Blumentöpfe sind für Tauben eine echte Einladung zum Nestbau – die lockere Erde bietet idealen Untergrund. Blumentöpfe auf Balkonen und Terrassen immer vollständig bepflanzen oder abdecken.

In ländlichen Gebieten nutzen Wildtauben natürliche Strukturen: Baumhöhlen, Felsvorsprünge, Scheunen und alte Gemäuer. Ringeltauben bauen ihre Nester bevorzugt in Bäumen und Büschen. Die Hohltaube als einzige heimische Taubenart, die wirklich Baumhöhlen nutzt, ist dagegen selten in unmittelbarer Gebäudenähe anzutreffen.

Heimische Taubenarten und ihre Nistgewohnheiten

In Deutschland kommen fünf Taubenarten regelmäßig vor. Sie unterscheiden sich deutlich in Größe, Aussehen und bevorzugten Lebensräumen.

Art Größe Erkennungsmerkmal Typische Nistplätze
Ringeltaube (Columba palumbus) ca. 40 cm Weißer Halsfleck, orange Schnabelbasis Bäume, Gebüsche, zunehmend Stadtnähe
Stadttaube (Columba livia f. domestica) ca. 30–35 cm Variable Färbung, blaugrau bis braun Gebäudenischen, Balkone, Dachvorsprünge
Hohltaube (Columba oenas) ca. 30 cm Blaugrau, grün schillernder Nackenfleck, kein Weiß Baumhöhlen in Wäldern
Türkentaube (Streptopelia decaocto) ca. 30 cm Staubbraun, schwarzes Nackenband mit weißem Rand Bäume in Siedlungsnähe, Gärten
Turteltaube (Streptopelia turtur) ca. 25 cm Rötliches Gefieder, gefleckte Flügeldecken Hecken, Gebüsch, Waldränder
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Die Turteltaube ist in Deutschland stark rückläufig und steht auf der Roten Liste – Störungen an ihren Brutstätten sind besonders problematisch. Die Türkentaube hat sich seit den 1950er Jahren rasant von Südosteuropa aus ausgebreitet und ist heute in ganz Deutschland verbreitet.

Nestbau und Brutverhalten

Taubennester wirken auf den ersten Blick simpel – eine flache Plattform aus Zweigen, Halmen und in Städten oft auch Drähten oder Plastikteilen. Das Männchen bringt das Material, das Weibchen ordnet es an. Die lockere Bauweise hat einen praktischen Vorteil: Regenwasser kann ablaufen und die Eier bleiben trocken.

Ein Gelege besteht fast immer aus genau zwei weißen Eiern. Beide Elterntiere bebrüten die Eier etwa 17–19 Tage lang – das Männchen tagsüber, das Weibchen in der Nacht.

Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungen etwa 25–35 Tage im Nest. Bemerkenswert ist die Fütterungsmethode: Tauben produzieren Kropfmilch, eine nährstoffreiche Substanz, die im Kropf beider Elterntiere gebildet wird und reich an Eiweiß, Fett und Mineralstoffen ist. Stadttauben können durch ihre Domestizierung bis zu sechsmal pro Jahr brüten, Wildtauben dagegen in der Regel nur zwei- bis dreimal.

  • Ringeltaube: April bis Oktober
  • Stadttaube: März bis August, teils ganzjährig
  • Türkentaube: März bis Oktober
  • Turteltaube: Mai bis September
  • Hohltaube: März bis Oktober

Probleme durch Taubennester an Gebäuden

Taubenkot enthält Harnsäure und Phosphorverbindungen, die Baumaterialien angreifen. Die korrosive Wirkung zeigt sich besonders an Metall (Korrosion), Putz (Abblätterungen), Dachrinnen (Verstopfung und Zersetzung) und Holz (Pilzbefall durch dauerhaft feuchten Kot).

Taubenschäden an Gebäude – Korrosion durch Taubenkot an Fassade und Metallteilen

Eine einzelne Stadttaube produziert schätzungsweise bis zu 12 kg Kot pro Jahr. Bei einer Kolonie summieren sich die Schäden schnell. Hygienisch problematisch ist vor allem der Befall geschlossener Bereiche wie Dachböden, wo sich über Jahre große Mengen Kot ansammeln können.

Taubenkot kann Pilzsporen enthalten (u. a. Cryptococcus neoformans), die bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem relevant sein können. Für gesunde Erwachsene ist das Risiko im Freien gering – bei der Reinigung stark befallener Bereiche sollte aber immer Atemschutz getragen werden.

Material Schadensart Typischer Reparaturaufwand
Metall/Dachrinnen Korrosion, Verstopfung Hoch
Putz und Fassade Ausblühungen, Abplatzungen Mittel
Holz Pilzbefall durch dauerhafte Feuchtigkeit Hoch bis vollständiger Ersatz
Naturstein/Beton Oberflächenporosität Mittel
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Rechtliche Rahmenbedingungen: Was ist erlaubt?

Alle wildlebenden Taubenarten in Deutschland stehen unter dem Schutz der EU-Vogelschutzrichtlinie und des Bundesnaturschutzgesetzes. Das bedeutet konkret:

⚠️ Achtung: Aktive Nester mit Eiern oder Jungtieren dürfen nicht entfernt werden – das ist nach EU-Vogelschutzrichtlinie und §44 BNatSchG verboten und kann mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Maßnahmen gegen Nistplätze sollten immer vor der Brutzeit eingeleitet werden.

Erlaubt sind vorbeugende Maßnahmen, die vor Beginn der Brutzeit umgesetzt werden – also das Verschließen von Nischen, das Anbringen von Netzen oder anderen Barrieren, solange kein Nest vorhanden ist. Bei bestehenden Nestern nach der Brutsaison dürfen diese nach Verlassen der Jungtiere entfernt werden.

Eine Besonderheit gilt für Stadttauben: Da sie keine echten Wildvögel, sondern verwilderte Haustiere sind, ist eine tierschutzgerechte Fortpflanzungsregulation über den sogenannten Gelegeaustausch möglich – dabei werden echte Eier gegen Attrappen-Eier ausgetauscht, damit das Pärchen weiterbrütet, aber kein Nachwuchs schlüpft. Diese Methode wird in betreuten Taubenschlägen eingesetzt.

Taubenabwehr: Was wirklich hilft

Der wirksamste Schutz ist physikalischer Natur: Netze, Drahtsysteme und das Verschließen von Nischen verhindern den Zugang zuverlässig. Alle anderen Methoden wirken ergänzend, aber selten dauerhaft als alleinige Maßnahme.

 

  1. Vor der Brutzeit handelnAlle potenziellen Nistplätze vor März überprüfen und sichern. Nischen, Spalten und Öffnungen verschließen, solange noch kein Nest vorhanden ist.
  2. Physikalische Barrieren installierenNetze oder Nylondraht-Systeme an Balkonen und Fassadennischen – die zuverlässigste Methode. Maschenweite für Tauben: max. 50 mm. Fachgerechte Installation verhindert Verletzungsrisiken.
  3. Sims und Vorsprünge unzugänglich machenSchräge Bleche oder Taubenspikes auf Simsen und Dachvorsprüngen. Spikes so anbringen, dass kein Verletzungsrisiko für Tiere entsteht.
  4. Optische und akustische Abschreckung ergänzenFlatterbänder, Windspiele und Reflexionselemente regelmäßig versetzen – Tauben gewöhnen sich schnell an unbewegliche Objekte. Krähenattrappen aus Plastik sind wenig wirksam, da Tauben sie schnell als harmlos erkennen.
  5. Bepflanzung als sanfte ErgänzungFuchsien, Petunien, Lavendel, Arnika, Herbstzeitlose oder Brunnenkresse auf Balkonen und Terrassen pflanzen. Viele Tauben meiden diese Pflanzen. Hinweis: Manche dieser Pflanzen sind giftig für Katzen und andere Haustiere.
Zusammenfassung: Netze und verschlossene Nischen sind die einzigen zuverlässigen Dauermaßnahmen. Alle anderen Methoden (Optik, Akustik, Pflanzen) wirken ergänzend und erfordern regelmäßige Variation, damit keine Gewöhnung eintritt.

Reinigung: Umgang mit Taubenkot

Frischer Taubenkot lässt sich deutlich leichter entfernen als eingetrockneter. Schutzausrüstung ist dabei Pflicht – besonders bei größeren Mengen.

  • Einweghandschuhe und bei Innenräumen oder stärkerem Befall Atemschutz (FFP2) tragen
  • Kot niemals trocken aufwischen – immer zuerst mit Wasser anfeuchten, um Staubaufwirbelung zu vermeiden
  • Eingetrocknete Rückstände mit heißem Wasser einweichen und lösen, dann mechanisch entfernen
  • Flächen anschließend mit Essigwasser oder geeignetem Desinfektionsmittel nachbehandeln
  • Bei stark befallenen Dachböden oder Hohlräumen professionelle Reinigungsfirmen beauftragen
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Wer Taubenprobleme an Gebäuden dauerhaft lösen möchte, kommt um frühzeitiges Handeln nicht herum. Maßnahmen vor der Brutzeit sind immer einfacher und rechtlich unkomplizierter als der Umgang mit einem aktiven Nest. Bei größeren Kolonien oder rechtlichen Unsicherheiten lohnt sich die Beratung durch einen Schädlingsbekämpfungsfachbetrieb oder den lokalen Taubenschutzverein.

Häufige Fragen

Stadttauben bevorzugen geschützte, erhöhte Nischen an Gebäuden: Dachvorsprünge, Balkone mit ungenutzten Ecken, Fassadennischen und Lüftungsanlagen. Besonders attraktiv sind halbgefüllte Blumentöpfe, die lockere Erde als Nestunterlage bieten.
Aktive Nester mit Eiern oder Jungtieren dürfen nach EU-Vogelschutzrichtlinie und §44 BNatSchG nicht entfernt werden. Nach der Brutsaison, wenn Nest und Jungtiere verlassen wurden, ist eine Entfernung erlaubt. Maßnahmen vor dem Nestbau – also das Verschließen von Nischen – sind jederzeit erlaubt.
Wildtauben brüten in der Regel zwei- bis dreimal pro Jahr. Stadttauben können durch ihre Domestizierung bis zu sechsmal jährlich brüten, was ihre schnelle Populationsentwicklung erklärt.
Fuchsien, Petunien und Lavendel sowie Krautgewächse wie Arnika, Herbstzeitlose und Brunnenkresse wirken auf viele Tauben abschreckend. Als alleinige Maßnahme reichen Pflanzen nicht aus – sie sind eine sinnvolle Ergänzung zu physikalischen Barrieren. Achtung: Einige dieser Pflanzen sind giftig für Katzen.
Nein – Stadttauben sind in der Regel ausgesetzte oder entflogene Brieftauben, Zuchttauben oder Hochzeitstauben und deren Nachkommen. Sie sind keine echten Wildvögel, fallen aber trotzdem unter den Schutz der EU-Vogelschutzrichtlinie und des Tierschutzgesetzes.