Historisches Bauen und Schädlingsbekämpfung - Integrierte Schädlingsbekämpfung im Freilichtmuseum Detmold

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Entwicklung und Optimierung umweltverträglicher Verfahren zu Monitoring, Prävention und Bekämpfung von Schädlingen in historischen Baukonstruktionen aus Holz

Der Holzschädling NagekäferEine Herausforderung für den Bautenschutz...


Schädlingsbefall an hölzernen Konstruktionen ist ein Problem der Bauunterhaltung von historischen Gebäuden. Ausgehend von Schädlingsbefällen an den Fachwerkhäusern des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold durch den Gescheckten Nagekäfer (Xestobium rufovillosum [De Geer]) richtete das Museum 1999 gemeinsam mit der Bundeforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft Hamburg einen Forschungsschwerpunkt zum Thema „Holzschädlinge in historischen Fachwerkbauten“ ein.

Bild von befallenem HolzteilDie Integrierte Schädlingsbekämpfung

Als neuer Ansatz gilt die „Integrierte Schädlingsbekämpfung“, die im Westfälischen Freilichtmuseum erstmals an historischen Bauten erprobt wurde. Nicht nur der Befall soll abgetötet werden, sondern es wird einem Gesamtkonzept folgend ein Bündel vorbereitender und begleitender Maßnahmen zusammengestellt:


Diese Vorgehensweise steigerte die Effizienz, die Qualität und die Nachhaltigkeit von Schädlingsbekämpfungen um ein Vielfaches. Trotzdem ist der Gescheckte Nagekäfer in seiner Lebensweise nicht ausreichend erforscht. Die Methoden der Bekämpfung sind noch nicht zufriedenstellend.

Befall mit Holzschädlingen

Das Förderprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Diese offenen Fragen zu klären hat sich ein von der Deutschen Bundestiftung Umwelt (DBU) gefördertes und auf drei Jahre befristetes Forschungs- und Entwicklungsprojekt zum Ziel gesetzt.

Es wurde im März 2004 vom Westfälischen Freilichtmuseum Detmold ins Leben gerufen.
Partner des Projektes sind

Die Forschungs- und Entwicklungsziele sind:

1. Mit verschiedenen Monitoring-Maßnahmen (Monitoring = Beobachtung) werden Lebensbedingungen und Verhalten der Schadinsekten untersucht.

Dazu werden verschiedene Beobachtungs- und Fallensysteme eingesetzt. Erstmalig erprobt werden dabei neue Pilzduftlockstoff-Fallen aus England, die unter der Leitung von English Heritage entwickelt werden.
Alle Monitoringdaten sollen das Grundlagenwissen zu den Insekten erweitern aber auch die Entwicklung von angemessenen Bekämpfungsmaßnahmen ermöglichen.

Holzkäfer

2. Dem Schädlingsbefall soll durch geeignete bautechnische Maßnahmen vorgebeugt werden.

Haus, das gegen Holzschädlinge behandelt wird3. Das schon jetzt als Bekämpfungsmethode genutzte „geregelte Heißluftverfahren“ wird verbessert.

Dazu sollen einerseits die Steuerungs- und Kontrollmechanismen der Heißlufttechnik optimiert werden, andererseits wird eine geeignetere Qualität der Einhausungsmaterialien angestrebt, um Energie zu sparen und Kosten zu senken.

4. Die Mikrowellentechnik wird für den Einsatz gegen Holzschädlinge erprobt.

Geeignete Kontroll- und Steuerungsmechanismen während einer Behandlung müssen entwickelt werden. Diese Technik ist als kostengünstige Ergänzung zur geregelten Heißluftbehandlung gedacht, insbesondere für die Bekämpfung lokalen Befalls.

Was soll erreicht werden?

Larve des Holzkäfers

Wirksame und umweltschonende Bekämpfungsverfahren gegen Holzschädlinge zu entwickeln und zu optimieren ist ein sinnvolles Ziel für die Forschung.

Museen und Denkmalpflege haben den öffentlichen Auftrag, kulturelles Bauerbe zu erhalten. Die o.g. Forschungen und Enwicklungen von Alternativen zur herkömmlichen Schädlingsbekämpfung mit Holzschutzmitteln und Begasungen besitzen Modellcharakter für ein breites Anwendungsgebiet.

Das Westfälische Freilichtmuseum Detmold ist der ideale Ort für die Forschung: Hier existieren verschiedene Varianten des Befalls, die leicht und schnell zugänglich sind und deshalb intensiv studiert und beobachtet werden können. Es sind Freilanduntersuchungen, die anders als Laboruntersuchungen die Eignung der Methoden in der Praxis unter Beweis stellen.

Die Erkenntnisse werden einem breitem Interessentenkreis in Form von Tagungen, Publikationen und Führungen zugänglich gemacht. Die beteiligten Firmen werden ihre neuen und weiterentwickelten Methoden und Geräte anbieten und einsetzen und so in der Zukunft nachhaltig einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

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